© Kneer

Neue Fenster kaufen

Von: - Planungswelten,

Ob Sanierung oder Neubau: Der Kauf neuer Fenster wirft eine Fülle technischer, rechtlicher und finanzieller Fragen auf. Unüberlegte Entscheidungen kommen Haus- und Wohnungsbesitzer auf lange Sicht teuer zu stehen – entweder, weil die Fenster nicht den Komfort bieten, den sich die Bewohner wünschen, oder aber weil sie den Anforderungen an Sicherheit, Wärmedämmung sowie Schallschutz nicht gewachsen sind und ausgetauscht werden müssen. Damit Sie den Durchblick im Gewirr technischer Spezifikationen, Bauformen und Vorschriften bewahren, informieren wir Sie umfassend zu allen Fragen rund um den Fensterkauf.

Neben dem persönlichen Geschmack sind es vor allem die Erfordernisse, die über den richtigen Kauf von Fenstern entscheiden. Daher sollte zuerst geklärt werden, wo die Fenster eingebaut werden sollen und welchen Witterungsverhältnissen sie ausgesetzt sein werden. So stellen Wohnraumfenster zur Straßenseite verständlicherweise andere Anforderungen an die Wärme- und Schallschutzdämmung als ein Keller- oder Garagenfenster. Ferner ist die Größe und Aufteilung des Fensters nicht nur eine Frage des Stils, sondern auch der Raumgröße und der gewünschten Aufhellung. Bodentiefe Fenster bieten einen großflächigen Lichteinfall und eignen sich besser für die Sonnenseite der Wohnung oder des Hauses als für schattige und sonnenabgewandte Flächen. Ferner gilt zu entscheiden, ob und wenn ja, wie das Fenster geöffnet werden kann. Hier gibt es unterschiedliche Lösungen: von den gebräuchlichen Dreh- und Kippfenstern über sogenannte Stulp-Fenster bis hin zu den exotischeren Schwingfenstern.

Stilfenster

Ob Barock, Klassizismus, Neo-Renaissance oder Jugendstil: Wer die besondere Anmutung spezieller Epochen wieder aufleben lassen möchte, findet auch hier bei vielen Herstellern passende Lösungen. Gerade hier sollte jedoch darauf geachtet werden, dass sich das Fenster harmonisch in die Außen- und Innenarchitektur des Hauses einfügt – sonst droht ein wilder Stilmix, der zwar von Experimentierfreude, nicht aber von gutem Geschmack zeugt. Ähnliches gilt für Sprossen- oder Rundfester und Buntverglasungen.

Materialien: Mehr als eine Typ(en)frage

Kunststofffenster

Kunststofffenster konnten früher in erster Linie durch ihren günstigen Preis überzeugen. Mit den großen Fortschritten in der Herstellung und Verarbeitung gehören viele Nachteile gegenüber Holz- und Metallfenstern der Vergangenheit an. Moderne Kunststofffenster aus PVC erreichen eine Lebensdauer von bis zu 50 Jahren und haben eine deutlich verbesserte Ökobilanz. Hochwertig verglast sind sie eine kostengünstige Alternative für energiebewusste Bauherren.

Aluminiumfenster

Aluminiumfenster überzeugen durch hohe Stabilität und Langlebigkeit. Der höheren Wärmeleitfähigkeit von Metall ist es allerdings geschuldet, dass Aluminiumfenster aufwändiger konstruiert sein müssen, sofern sie eine ähnlich gute Wärmedämmung wie Holz- und Kunststofffenster aufweisen sollen. Dies schlägt sich natürlich im Preis nieder: Aluminiumfenster mit guten Dämmeigenschaften kosten schnell das Dreifache vergleichbarer Kunststofffenster.

Holzfenster

Holzfenster zeichnen sich vor allem durch ihre guten Dämmeigenschaften aus. Der nachhaltige Werkstoff enthält in der Regel keine bedenklichen Zusatzstoffe und ist in der Herstellung und Verarbeitung sehr umweltfreundlich. Die natürliche Ausstrahlung von Holzfenstern schafft Behaglichkeit und fördert das Raumklima. Gegenüber modernen Kunststoff- und Aluminiumfenstern benötigen sie jedoch mehr Pflege und Wartung. Unterschiedliche Witterungseinflüsse im Wechsel der Jahreszeiten belasten das Holz. Aus diesem Grund empfehlen Experten Holzfenster jedes Jahr zu überstreichen. Beachtet man jedoch diese Hinweise, ist die Haltbarkeit von Holzfenstern nahezu unbegrenzt.

© Kneer

Wärmedämmung: Entlastung für Natur und Geldbeutel

Schlecht isolierte Fenster kommen Haus- und Wohnungsbesitzer teuer zu stehen. Einfachverglasungen, wie man sie noch bis in die 1970er Jahre häufig antreffen konnte, erforderten einen durchschnittlichen Energieaufwand von gut 60 Litern Heizöl pro Quadratmeter Fensterfläche. Der Wärmeschutz wurde in den folgenden Jahrzehnten kontinuierlich verbessert, nicht nur durch Mehrfachverglasungen, sondern auch mithilfe technischer Tricks wie bspw. hauchdünn aufgetragene Metallschichten und Edelgasfüllung in den Scheibenzwischenräumen.

Der U-Wert

Um die Dämmeigenschaften eines Fensters beurteilen zu können, ist der sogenannte Wärmedurchgangskoeffizient (U-Wert) sowie der Energiedurchlasswert (G-Wert) hilfreich: Der U-Wert sagt aus, wie viel Wärme bei konstanter Temperaturdifferenz durch das Fenster nach außen gelangt. Je niedriger dieser Wert, desto besser die Dämmeigenschaften des Fensters. Zum Vergleich: Moderne Dreischeiben-Wärmeschutz-Verglasungen erzielen U-Werte zwischen 0,5 und 0,8 W/m2K, Zweischeiben-Wärmeschutz-Verglasungen zwischen 1,3 und 1,7 W/m2K, einfache Zwei-Scheiben-Isolierverglasungen lediglich 2,8 W/m2K und die bereits erwähnten Einfachverglasungen miserable 5,5 W/m2K. Da die Reduzierung des U-Werts um 0,1 W/m2K zu einer Einsparung von durchschnittlich 1,2 Litern Heizöl pro Quadratmeter Fensterfläche führt, macht sich eine fortschrittliche Wärmeschutzverglasung in der Regel zügig bezahlt.

Der G-Wert

Der G-Wert gibt Auskunft, wie viel Energie durch das Sonnenlicht nach innen gelangt. Je höher dieser Wert, desto größer der Energiegewinn durch das einstrahlende Sonnenlicht. Im Winter machen sich diese Eigenschaften bezahlt, da „mit der Sonne“ geheizt werden kann. Ein mit solchen Fenstern ausgestattetes Haus kann sich in den Sommermonaten schnell zu einem Treibhaus verwandeln; deshalb ist hier auf einen geeigneten Sonnenschutz wie bspw. Außenjalousien, Rollladen oder Markisen zu achten.

Die Energiesparverordnung

Aber nicht nur aus finanziellen, sondern auch aus rechtlichen Gründen sollten die Dämmeigenschaften beim Kauf neuer Fenster berücksichtigt werden: Mit der im Jahr 2009 erlassenen Energiesparverordnung (EnEV) haben strengere Wärmeschutzstandards in das Baurecht Einzug gehalten, die in den kommenden Jahren – so der derzeitige Stand der Planung – weiter verschärft werden sollen. Nach der EnEV 2009 dürfen Fenster demnach einen Wärmedurchgangskoeffizienten von maximal 1,3 W/m2K aufweisen.

Gut zu wissen: Die Kreditanstalt für Wiederaufbau unterstützt private und gewerbliche Bauherren bei Neubauten und der Sanierung von Altbauten mit zinsverbilligten Darlehen und Zuschüssen von bis zu 2500 Euro.

Schallschutz: Eine Oase der Stille

Ein gutes Fenster zeichnet sich nicht nur durch Langlebigkeit und hervorragende Dämmeigenschaften aus, sondern verschafft lärmgeplagten Haus- und Wohnungsbesitzern wohltuende Ruhe. Hierfür sind folgende Faktoren entscheidend: die schalltechnische Qualität von Blend- und Flügelrahmen, die Dichtungen zwischen Blend-, Flügelrahmen und Mauerwerk, die Verglasung sowie die Dicke und der Aufbau der Verglasung. Hier gilt: Dickere Gläser und asymmetrisch verbaute Glasstärken erhöhen den Schalldämmwert. Aber Achtung: Der Schallschutz sollte immer an die örtlichen Gegebenheiten angepasst werden. Zu hohe Dämmwerte können schnell als unangenehm empfunden werden, da sie den Grundgeräuschpegel derart verringern, sodass Geräusche aus dem Inneren der Wohnung verstärkt wahrgenommen werden und leicht ein Gefühl der Isolation hervorrufen.

© ABUS

Fensterlüftung: Frischer Wind für stickige Räume

Verbrauchte Luft, Gerüche und Feuchtigkeit beeinträchtigen nicht nur das persönliche Wohlbefinden, sondern können auch durch die Gefahr von Schimmelbildung die Gesundheit gefährden und die Bausubstanz angreifen. Die fortschrittliche Isolation von Fenstern verhindert zwar, dass kalte Luft von außen einströmt, hemmt dadurch aber auch den notwendigen Austausch verbrauchter Raumluft. Aus diesem Grund sollten Besitzer moderner Fenstersysteme die grundsätzlichen Regel der Wohnraumlüftung (ein- oder mehrmaliges Stoßlüften pro Tag) besonders beherzigen. Viele Hersteller haben jedoch auf die neuen Erfordernisse reagiert und bieten Lüftungssysteme an, die die Raumlüftung vereinfachen. So kann mit einer variablen Kippweitenbegrenzung der Kippwinkel des Fensters und damit auch die Menge an einströmender Luft reguliert werden. Sogenannte Spaltlüfter tragen zu einem kontinuierlichen Austausch der Luft bei und können auf Wunsch mit integrierten Pollenschutzfiltern ausgestattet werden. Eine besonders raffinierte Lösung bietet WERU mit dem Weru-Air-Comfort-Lüftungssystem: Spezielle Dichtungen regulieren die Menge einströmender Luft automatisch und wärmen sie zur Vorbeugung von Zugerscheinungen vor.

© ABUS

Fenstersicherheit: My home is my castle

Nicht nur die Frage nach Material, Dämmung oder Lüftung sollte beim Kauf neuer Fenster berücksichtigt werden: Experten raten in Anbetracht steigender Einbruchsdelikte insbesondere in leicht zugänglichen Bereichen des Hauses zu einbruchhemmender Fenstertechnik, die gerade beim Neukauf für kleines Geld zu haben ist. Hierzu zählen Beschläge mit sogenannten Pilzkopfverriegelungen, abschließbare Fenstergriffe, einbruchhemmendes Sicherheitsglas, Vorsatzgitter und Glasbruchmeldeanlagen. Wie gut das neue Fenster gegen unliebsame Gäste schützt, ist in den Widerstandsklassen der DIN EN 1627 festgelegt. Ausführliche Informationen zu Fenstersicherheit finden Sie hier.

Checkliste für den Fensterkauf:

  • Handelt es sich um einen Neubau oder eine Sanierung?
  • Wo soll das Fenster eingebaut werden?
  • Welches Material bevorzugen Sie?
  • Welche Form sollen die Fenster haben?
  • Welchen Witterungsbedingungen sind die Fenster ausgesetzt?
  • Welche Wärmedämmung soll erzielt werden?
  • Welcher Schallschutz ist notwendig?
  • Welche Sicht- und Sonnenschutzsysteme benötigen Sie für die Fenster?
  • Welche Lüftungsmöglichkeiten werden benötigt?
  • Welche Öffnungsarten wünschen Sie an den Fenstern?
  • Über welche Schutzeinrichtungen sollen die Fenster verfügen?

Das könnte Sie auch interessieren: